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Strom der Entwicklung

[German and Italian language]

Schwer vorzustellen, wie Giambattista Bodoni (1740-1813) dieses Bild empfunden hätte. Ein ungeheuerlich hübsches Supermodel aus dem Jahr 2008, vereinigt in einem Bild zusammen mit den Buchstaben, die den seinen ähneln. In einem (sehenswerten!) Museum in Parma, in einem dunklen, kühlen Raum werden sie aufbewahrt: Stahlstempel, in die er Buchstaben dieser Form, vielleicht um 1800 herum, meißelte mit einem feinen Werkzeug aus Stahl. Er drückte ihre Formen damals mit etwas, das einer Weinpresse ähnelt, in das weiche, nasse Papier mit einem für heutige Verhältnisse ungewöhnlich tiefen Schwarz. Er war bekannt und bei vielen bis heute nicht gemocht, weil er als Drucker der Königlichen galt, viele Privilegien hatte und daraus auch konsequent eine passende Sorte von Schriften weiterentwickelte (deren Ursprung es in Frankreich zu suchen gilt). Insofern scheint mir das Aussehen der Dame auf dem Bild königlich genug, um auch bei ihm Genugtun hervorzurufen. Bis heute, meine ich, kann er mit seinem aussergewöhnlichen Werk zufrieden sein.

Com’era possibile immaginare qualche cosa più bella, più dignitosa del tuo profilo? Cosicché uno stampatore del diciotto non poteva sperare che di rifinire le sue lettere nel freddo metallo di una volta per vederle messe accanto alla tua immagine. Di certo ne sarebbe stato contento.

Sicherlich sind die Zeiten heute eher dafür geeignet einen großen Modeschöpfer* zu unterstützen als einen Meister der Buchstabenkunst. Dennoch sind die beiden Künste sich ähnlich. Den Stoff aus vorzüglichem Material so schneidern zu können, dass er fällt wie die Blätter einer Rose, die sich entfaltet, ähnelt der Meisterschaft aus zwei Linien den Bogen eines ‘O’s entstehen zu lassen, so dass er ebenso elegant wie natürlich gewachsen scheint. Und nicht zuletzt dienen beide Künste – wenn auch die zweite in sublimerer und doppeldeutiger Form – dem Ausdruck des Glaubens an unsterbliche Schönheit.  

 


 

  *Del resto, credo che sia una cosa giusta che abbiano quel rango alto nella società, quelli che si curano degli abiti di una donna.

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